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MBSR - Was ist Achtsamkeit und
worin besteht ihre Kraft
„Die Achtsamkeit lässt die Dinge so erscheinen,
wie sie sind. Und so können auch neue Aspekte der Dinge
hervortreten, die sonst durch Gewohnheiten der Wahrnehmung,
Gedanken und Gefühle verdeckt sind… Der Achtsamkeit
eignet eine Schöpferkraft, die allen Dingen die Freiheit
ihres Erscheinens gewährt.“
Karl Heinz Brodbeck
Achtsamkeit ist das Herzstück buddhistischen Geistestrainings
und darüber hinaus eine grundlegende allen Menschen angeborene
Fähigkeit, die trainiert und ausgebildet werden kann.
Sie ist Ausdruck unserer elementaren Wissensfähigkeit
oder Intelligenz als Menschen.
Der Begriff Achtsamkeit beschreibt weiterhin ein Methodenrepertoire
an meditativen Praktiken, die dabei helfen, dieses menschliche
Vermögen achtsamen Gewahrseins auszubilden und zur vollen
Entfaltung zu bringen. Mit Achtsamkeit in diesem Sinne ist
eine breite Palette praktischer Übungen gemeint, eine
Übungspraxis, um Aufmerksamkeit, Bewusstheit und Einsicht
zu entwickeln.
Wir kultivieren Achtsamkeit durch die Praxis von Shamatha
und wenden sie dann in den verschiedenen Vipassana Meditationen
oder Vier Anwendungen der Achtsamkeit (Satipatthana) an. Mittels
Shamatha (ruhiges Verweilen) entwickeln wir Aufmerksamkeit
und unsere Fähigkeit zur Innenschau und Konzentration.
Vipassana oder Einsichtsmeditation ist ein intelligentes,
achtsames Untersuchen und Erforschen der zentralen Merkmale
und Grundstrukturen unserer menschlichen Existenz. Vipassana
verfolgt den Zweck Einsicht und neues Wissen, also Erkenntnis
über die vier Hauptbereiche unserer Erfahrung zu gewinnen:
Körper, Gefühle, mentale Ereignisse, Prozesse und
Phänomene (alles, was erfahrbar ist). Wir untersuchen,
erforschen jeden dieser Erfahrungsbereiche mit einer freundlichen,
gütigen Einstellung und Haltung. Diese Form der Achtsamkeitsmeditation
ist ein direkter Weg zu kontemplativer Einsicht und Befreiung,
ein Weg zur Überwindung von Leiden durch Stress.
Achtsamkeit bedeutet, aus einem Leben, das auf Automatik
geschaltet war, aufzuwachen.
Mit Hilfe von Achtsamkeitspraktiken lernen wir in zunehmendem
Maße unsere einengenden Routinen und Automatismen zu
verlassen und mit mehr Gleichmut und Gelassenheit durchs Leben
zu gehen. Wenn wir uns unserer Handlungen, unserer Wahrnehmung,
unserer Welt - und Situationsbeschreibungen bewusster werden,
dann erschließen sich uns neue Frei- und Spielräume
im Handeln, Denken und Erleben.
Die Praxis der Achtsamkeit öffnet und verändert
unsere typischen, starren und unflexiblen Reaktionen auf schwierige
Situationen. Sie ermöglicht uns einen konstruktiven Umgang
mit potenziellen Stressauslösern. Erster und wichtigster
Schritt zur Befreiung von der automatischen Stressreaktion
- also von den erlernten Denk – u. Verhaltensmustern,
mit denen wir auf potenzielle Stressauslöser für
gewöhnlich reagieren - ist, der schwierigen Situation
von Anfang an mit Achtsamkeit zu begegnen. Einfach dadurch,
dass wir uns der Situation bewusst sind, gegenwärtig
und wach sind, haben wir der automatischen Reaktion schon
ihre Macht genommen, unsere Situation grundlegend verändert
und damit wird Neues möglich. Wir sind von einer begrenzten
und beschränkten Situation in eine neue Situation gelangt.
Unseren Routinen, Automatismen, Gewohnheiten und eingefleischten
Mustern wird die Macht genommen und Veränderung und Heilung
können geschehen.
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